The Reincarnation of a 73' Shovelhead Harley

Dienstag, 29. Juni 2010

Ich habe Feuer gemacht!

Letztes Wochenende war es dann so weit! Nach einem guten halben Jahr sollte Elli wieder zum Leben erweckt werden - quasi wachgeküsst aus ihrem Schlaf. Es war Samstag, bestes Wetter und es lagen nur noch überschaubare Tätigkeiten vor uns. Dachten wir!
Gaszug auf korrekte Länge bringen, die beiden Tanks und das Dashboard montieren, Benzinhahn, Filter und Leitungen anbauen, Batterie anklemmen und Attacke! Der Schraubnippel am Gaszug war zwar fummelig, aber kein Problem. Die neuen Tanks und das Dashboard hingegen passten erstmal gar nicht zusammen. Die Hasskappe! Nach 6 Stunden (!) Anpassen mit neuen Schrauben, Scheiben, Spacern und Flex (…) saß dann aber alles wie ans Bike gegossen. Stolz! Der neue Pingel-Benzinhahn und die Leitungen ließen sich wiederum ohne nervigen Rückschlag verbauen - alles dicht. Das war erfreulich. Anders der Vergaser… der wollte mal wieder nicht, der Drecksack! Der Schwimmer hat einfach nicht geschlossen und die Suppe kam im Sturzbach aus dem Luftfilter… Für so was ist die Benzinmatte von Accel wirklich Gold wert. Ein must have! Scheinbar war der Schwimmer in der Kammer verklemmt. Bleibt nur zu hoffen, dass er es in Zukunft nicht wieder tut… Ja, ja - da ist es wieder… könnt alles so einfach sein, isses aber nicht!

Jetzt fehlten nur noch die Öle, der Sprit und die Batterie. Und schließlich der entscheidende Satz: Gentleman, start your engine! Mit Angstplakaten unter den Achseln habe ich schließlich am Hebelstarter gezogen. Die Starterwelle rückte ein und setzte den Primärantrieb mit brutaler Kraft in Bewegung - und als wär es gestern gewesen, meldete sich Elli zurück ins Leben. Beim ersten Versuch! Eine sattes Ballern erfüllte unsere Ohren. In Bruchteilen von Sekunden schalteten alle meine Synapsen auf Durchgang: ENDORPHIN-Ausschüttung am Limit.

Ich habe Feuer gemacht! ;-)

OK, sie lief. Nun musste die Summe der Teile aber auch im Straßeneinsatz bestehen. Ist alles da wo es hingehört? Habe ich wirklich jede Schraube festgezogen? Halten die Bremsen? An meinem geistigen Auge zieht dabei eine Werner-Szene vorbei, in der sich das Bike beim Fahren in Zeitlupe völlig pulverisiert. Frei nach dem Motto: Parts may fly off at top speed

Nicht viel nachdenken, Helm auf und masel-tov... Janni fuhr zur Abschirmung hinter mir her - bestückt mit einer Wanne voller Werkzeug… Nach den ersten Bremsversuchen und dem Gefühl von labbrigem Toast - aber der Gewissheit, dass man zumindest wieder zum Stehen kommt ging der Rest wie von selbst. Ich habe nichts verloren und im Gegensatz zum Zustand vorher sind wir auch nicht liegen geblieben - sie hat getan!

Bis zum nächsten Tag…

Da wollte ich zu meinem nächsten Ausritt starten, aber leider tat sich nichts mehr. Gar nix! Batterie tiefentladen - über Nacht! So ist das halt mit den alten Damen. Deswegen machen wir das hier. Nicht aufgeben, weitermachen! Die PEP war somit natürlich nicht zu machen, aber immerhin war ich zum Zieltermin on the Road again. Knapp daneben ist aber auch vorbei. Dann eben nächstes Jahr ;-)

Jetzt geht’s erstmal darum die letzten Fehler auszumerzen und dafür zu sorgen, dass Elli auch wirklich zuverlässig ihr Ziel erreicht. Die erste Prognose zur leergesaugten Batterie war "Altersschwäche meets vergessenen RUN/OFF-Schalter". Den hatte ich über Nacht nämlich nicht zurückgestellt und somit der Batterie mit dem Relais einen latenten Verbraucher bescherrt. War auch fast richtig, aber es war nicht das Relais selbst sondern die Zündspule, und die hat sich 2 Ampere je Stunde genehmigt. Damit war nach 16 Stunden Ende im Gelände. Klemme 87 und 87a am Relais getauscht und schon stand 0,00 auf dem Multimeter. Das Thema ist also vom Tisch. Als nächstes müssen wir uns der Kupplung widmen. Auch hier gibt's Bedarf… Bericht und Bilder folgen.

- Elli mit Schirm -

Dienstag, 22. Juni 2010

We break for nothing...

… aber nicht, weil wir nicht wollen, sondern weil wir nicht können... Von einer 37 Jahre alten Harley-Bremse darf man einfach nicht zu viel erwarten – die beißt nicht wirklich zu, wenn man sie betätigt. „Wer bremst verliert“ kommt hier nicht von ungefähr…

Im Jahr 1972 bekamen die Harley’s zum ersten Mal vorn eine Scheibenbremse verpasst. Absolute Revolution! Und im Folgejahr '73 - also Elli’s Geburtsjahr - wurde dann auch am Hinterrad von Trommel auf Scheibe umgerüstet. Somit gehört Elli zu den ersten Bikes, die mit den „Bananen“-Sätteln ausgerüstet worden sind.

Nachdem die beiden Anlagen abgebaut waren offenbarte sich auch hier wieder mal der ganze Siff der letzten Jahre. Klar, dass die vier Sattelhälften auch zum Pulvern mussten. Zudem gab’s natürlich neue Dichtungen und Schrauben sowie neue Ventile und Leitungen. Für den Handbremshebel gab’s zudem noch einen Reparatur-Kit, da durch die Nachlaufbohrung im Zylinder einfach keine Bremsflüssigkeit nachgepumpt werden konnte.

- Vorn vorher -

- Vorn nachher -


- Hinten vorher -

- Hinten nachher -

Apropos Bremsflüssigkeit… Dieses Zeug ist wirklich ätzend! Es toppt zwar nicht die Tankversiegelung, aber dennoch nervt’s wenn es über Lack und Chrom läuft. Dabei kann man die Schraubverbindungen noch so fest anziehen, das Zeug sucht sich seinen Weg...

Interessant war, dass man die Bremsen durch die Entlüftungsventile befüllen musste. Wir haben es natürlich erst mal über den Handbremszylinder versucht und uns gewundert, warum sich da nix tut - von oben schafft man es einfach nicht die riesige Luftblase rauszudrücken. Wie auch immer, wir haben auch das gemeistert - alles dicht und schön. Jetzt kommt's nur noch drauf an, ob's auch tut…

Fakt ist, eine Harleybremse lebt vom vorausschauenden Fahren. Gefahrenbremsungen gibt’s einfach nicht...! Außerdem gilt ja: Wer spät bremst fährt auch länger schnell… ;-)

Montag, 14. Juni 2010

Wenn Gott Dir Scheiße gibt…

dann schnitz Dir daraus eine Geige und spiel Mozart! (der Stromberg…) Keine Ahnung warum, aber als ich Öltank und Batteriekasten an den dafür vorgesehenen Silentblöcken wieder einbauen wollte passte nix mehr! Das Ganze muss einer vorher mit brachialer Gewalt zusammengeballert haben. Ich hatte beim Zerlegen zwar Massen von Bildern gemacht, aber genau von dem Part war natürlich keins dabei… Macht auch nichts, da es schließlich keine Veränderungen gab. Der Öltank ist original und nicht verformt, ebenso der Batteriekasten und von den Silentblöcken gibt’s im Zollbereich offensichtlich nur die 2 cm starken. Somit hieß es biegen…Ein bisschen an der Lasche des Batteriekasten, ein bisschen am Tank. Jetzt sitzt’s auch wieder wie es sein soll… ;-)

Darüber hinaus gab’s jede Menge andere Arbeiten, die keiner sieht, die aber auch gemacht werden müssen und jeweils ne Menge Zeit verschlingen…

- Tachowelle fetten, neue Halterungen -

- neuen Kupplungszug montieren -

- neue Motorschutzplatte (gab’s vorher nicht) -

- zweites Halteblech am Getriebe für den Batteriekasten (gab’s vorher nicht) -

- neuer Motorhalter mit Schrauben (vorher war einer von der FX montiert) -

- neuer Satz Zündkabel und Kerzen sowie Wiederherstellung des Zündspulen-Halters -

 - Sicherungen im Dashboard -

- originale Halteklemmen -

- neues T-Stück für die Hinterradbremse mit Anschluss Bremslichtschalter -

- originale Schrauben hinterer Bremsanker -

- neue Öldruckanzeige (alte war defekt) -

- neue Ölleitungen mit neuen Anschlüssen an der Pumpe -

- neue O-Ringe am Manifold (wegen Nebenluft) -

- Sanierung der rechten Fußbremsanlage. Hier passte nichts mehr… Komplett verbogen und ein Teller bunter Knete, was die Schrauben angeht… -

- Sanierung der linken Schaltanlage mit neuem Seitenständer. Auch hier passte nix… Der Ständer musste neu, weil der alte nur notdürftig hingeschweißt war und man beim Abstellen jedes Mal dachte, gleich kippt sie um… -

Das mit der Pre Evo Party wird wohl eng... Mein aktuelles Problem: die Bremsen...

Montag, 7. Juni 2010

Crimp my bike…

Also ich bin ja mehr für Hauselektrik zu haben, da kann ich zumindest was mit anfangen. Aber Auto und Motorrad? Null Ahnung! Nun - dachte ich - so viel schwerer kann das ja auch nicht sein. Wer AC/DC übersetzen kann und weiß, dass Spannung gleich Widerstand mal Stromstärke ist, der bekommt auch das hin… Die Meinung drehte sich jedoch schlagartig, als ich mir den Schaltplan mal etwas genauer angesehen habe. Meine Herren… als ich den sah, dachte ich bei mir: OK, du bist definitiv nicht schlauer als ein 5-Klässler.

- Schaltplan -
- Crimpen :-) -
- alte Strippen -
- neue Strippen -

Und da sind wir wieder beim Thema Wissen – es schadet dem, der es nicht hat! Anderseits sagt man ja auch: Nichts wissen macht auch nix, wenn man einen kennt, der weiß wie es geht… Schön war nämlich, dass der Janni diese Hürde an der Hilde schon genommen hatte ;-) Zudem hatten wir in Erfahrung gebracht, dass Kollege Sven die Kunst des Lötens auf’s Allerfeinste beherrscht – und in der Tat, die Lötstellen an den neuen Schaltern in den Lenkergehäusen sind einfach lecki geworden!

- alt -
- neu -

Ziemlich viele Strippen und Arbeit kann man sich mit dem Einbau einer Elektronikbox ersparen – das ist zwar nicht original, sieht ja aber auch keiner. Zudem erledigen die Boxen nützliche Funktionen wie beispielsweise die Steuerung der Blinkvorgänge. Auf dem Markt gibt’s einige zur Auswahl – wir haben uns für die Box von Axel Joost entschieden. Funktioniert tadellos und das für einen ordentlichen Preis.


Das Einzige, was der Box fehlt, ist eine Halterung. Da bei mir im E-Glide-Lampencover aber ordentlich Platz ist, haben wir improvisiert und selbst was gedengelt. Sitzt und tut seinen Job. Der Nachbau der originalen Pertinax-Platte kostet im Zubehör übrigens 70 Euro!!! Für ein Stück Hartpapier…

- eBox im Lampencover -

Starter-technisch gab’s auch eine Anpassung: Weg mit dem alten Magnetschalter und her mit einem Hebelstarter! Vorteil: Die Anlasser-Welle wird nicht mehr elektrisch ausgerückt sondern mechanisch. Gleichzeitig schließt der Hebel einen Massekontakt und der Anlasser setzt sich in Bewegung. Damit wird nicht nur die mögliche Schwachstelle Magnetschalter ausgeschaltet, sondern es sieht auch noch ziemlich cool aus… ;-) Unter dem Batteriekasten sitzen das dazu gehörige Lastrelais und das Relais für den Motorstop.

- Anlasser vorher / nachher -
- Hebelstarter -
- Relais alt -
- Relais neu - 

Im Nachhinein muss ich zugeben, ich habe ein wenig gebraucht, um mit dem Thema warm zu werden – aber dank der Infos von Janni und Sven hat’s dann doch richtig Spaß gemacht. Danke, Jungs! Einzige Ausnahme: die Relais… die werden nie meine Freunde...

- Lampe vorher -
- Lampe nachher -