The Reincarnation of a 73' Shovelhead Harley

Samstag, 8. Mai 2010

Und ich wollt’ doch nur nen Tacho haben…


Schon bei der ersten Ausfahrt war klar – der Tacho ist hinni. Diagnose: Tachowelle oder Tacho selbst im Eimer! - Kein Problem, dachte ich! Aber es kommt ja bekanntlich immer anders als man denkt. So viel steht mal fest. Janni und ich haben in dem Zusammenhang einen Begriff geprägt: Den „Praedestinatio-Effekt“. Jeder hat ihn - der eine mehr, der andere weniger – der eine im Negativen, der andere im Positiven. Zudem kompensieren sich die Effekte auch bei einer Person durchaus mal. Wenn einer bei einer Sache immer in die Scheiße fasst, dann hat er vielleicht mit einer anderen immer Glück - wo dann wiederum ein Nächster oft daneben greift - und so weiter…

Ich für meinen Teil habe auch einen ausgeprägten Praedestinatio. Viele Dinge klappen einfach nicht auf Anhieb. Am Ende wird’s zwar immer irgendwie noch gut, aber vorher fahr’ ich in der Keramikabteilung erstmal ausgiebig Achterbahn…

Kommen wir zurück auf den Tachoantrieb… Wie gesagt, die Tachowelle ging wohl nicht, so die erste Annahme. Nach Ausbau und kurzem Drehen an Welle und Tacho war jedoch klar – dem ist nicht so… Musste also am Getriebe liegen. Als ich das Getriebe dann schließlich auf meiner Werkbank stehen hatte fiel mir erstmals auf, dass es mit einem optisch extrem mies aussehenden Schrumpflack - offensichtlich aber original - angepinselt war.

 

Nachdem ich die erste Enttäuschung über den gammeligen Look verdaut hatte, ging’s ans Öffnen. Ist eigentlich nicht schwer – man muss nur die 9 Inbusschrauben des Gehäusedeckels rausdrehen - wenn’s denn geht... Acht gingen auch super, aber „Nummer Neun“… die wollte gar nicht. Komplett eingegammelt und verrostet. Wieder mal Hass! Nach Anbohren und unter Verwendung eines Linksausdrehers war aber auch das kein Problem.


Das Getriebe war offen und immerhin - kein Schock! Ich hatte zwar gar keine Ahnung, aber das was ich da sah, sah wirklich gut aus. Null Rost! Keine runden Ritzel, kein Abrieb, keine Späne oder ähnliches! So weit so gut. Unmittelbar danach fiel jedoch ins Auge, dass das Getriebe zwar eine von außen eingeschraubte Tacho-Antriebsschnecke hatte, diese aber im Inneren einfach ins Leere griff...

Was soll das denn? Wer macht denn so was? Gab’s da in der LAPD-Werkstatt zu viel Bourbon? Auf der Explosionszeichnung zeigte sich, dass der nötige Gegenpart auf der Welle schlichtweg fehlte – das Tachoritzel war einfach nicht da. Wie auch immer, vielleicht hatte sie ja mal einen Nabentacho – man weiß es nicht. Das fehlende Ritzel kostete gemäß Katalog jedenfalls nur 16 Euro. Na, das ist doch mal ne Ansage! Das kann man nachrüsten lassen!

Nachdem ich die Passage „Wie zerleg’ ich mein Getriebe“ in den Büchern jedoch intensiv gelesen hatte stand fest, da mach ich gar nix und das Getriebe geht nach Lauenau. Ziel: Einbau des ominösen Tacho-Ritzels. Der Kostenvoranschlag kam dann per Post. Ich weiß es nicht mehr ganz genau, aber ich glaube, ich war kurz ohnmächtig…1.300 Euro standen unterm Strich und es gab jede Menge zu tun: Haupt- und Nebenwellen, alle Buchsen, Nadellager, komplett neue Schraubensätze, einige Ritzel und, und, und...

Nun gut. Fakt ist, wenn man den Johnny schon mal offen und alles ausgeräumt hat, wär’s ja auch irgendwie doof die verschlissenen Teile wie Wellen und Lager wieder einzubauen. Zudem wollte ich die Gangschaltung umdrehen, damit sich Elli wieder wie jedes andere Bike schaltet – Erster unten, Rest oben. Und der Schrumpflack sollte ja schließlich auch runter. Somit musste auch die Schaltwalze getauscht und das Gehäuse gestrahlt werden. - Also kurz geweint und Auftrag erteilt!

3 Monate später…

Die Drecks-Schaltwalze zur Korrektur der Schaltung war einfach nicht lieferbar. Kein Katalog konnte das Ding auftreiben. So was geht eben nie kaputt und deshalb braucht's auch keiner…


Da fällt mir spontan eine Liedpassage von „Ganz Schön Feist“ ein:

Die Wüste wartet auf den Regen
und die Schiffe warten auf die Flut
die Nacht wartet auf den Morgen
warten kann ich auch ganz gut

Ich liebkose deinen Schatten
ich verzehre mich nach dir (Getriebe…)
und wie oft schon küsste ich die kühle Klinke deiner Tür.

Janni hatte dann den Einfall mal im Forum auf shovel-head.de anzufragen, ob jemand noch was liegen hat. So bin ich auf Jan Willem Boon gekommen - ein Holländer, der NOS Parts ("new old stock") verkauft, sprich alte Neuteile. Und siehe da, er hatte noch eine Original-Harley-Schaltwalze liegen. Die Odyssee hatte damit endlich ein Ende ;-) Versand und Abwicklung waren bestens, kann ich also nur empfehlen.

- vor dem Strahlen -

- nach dem Strahlen... -

- und fertig -

- ausgetauscht -

Am Ende sind aus 16 dann doch 1.600 Euronen geworden. Null und Nichts ist eben auch nicht dasselbe... und die Nullen tun immer am meisten weh... Dafür ist jetzt auch die gute aber teure Andrews-Maindrive und die Original-Walze reingekommen. Nur die Harten komm’ in’ Garten!

1 Kommentar:

  1. Hallo Jan

    Ich muss mal wieder ein Lob loswerden. Mein Gott steckt Du da Arbeit rein. Aber es wird und es wird wirklich gut.
    Und am Geilsten sind immer noch die Fotos (auch auf Preussen-Krad).
    Wirklich mal etwas anderes an Seite. Ich stehe drauf und hoffe, dass wir in Bodenwerder unserer erstes gemeinsames Bier schlürfen können.

    Gruß
    Norbert (shovelschuppen.de)

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