The Reincarnation of a 73' Shovelhead Harley

Sonntag, 28. März 2010

Gutes Werkzeug, gute Arbeit!

Ohne gutes Werkzeug zieht man einfach nicht die Butter vom Brot. Ich hasse das, wenn eine eigentlich banale Sache einem tierisch die Zeit raubt, weil das entsprechende Werkzeug fehlt. Habe mir einen etwas breiteren Lenker zugelegt, dem ich heute ein paar Löcher verpassen wollte, damit die Kabel zukünftig innen laufen. Ich war mir sicher, dass ich ein richtig gutes Metall-Bohrerset besitze… Weg! Einfach nicht mehr auffindbar!

"Täglich geht die Sonne auf und nieder,
täglich weicht der Tag dem Licht,
alles sieht man einmal wieder,
nur verborgtes Werkzeug nicht."

Da krieg ich Hals! Vor allem, wenn dann auch noch Sonntag ist. Man hat sich was vorgenommen und dann geht das nicht, weil etwas fehlt was definitiv aber mal da war. Was hab’ ich neulich gelesen: „Der Sonntag ist das Grab aller falschen Hoffnungen, die man an sein Leben hat.“ So ungefähr…

Zu jeder Bohrmaschine gibt’s ja aber auch noch ein Standardset. Das wiederum war noch da... Der passende Bohrer fehlte natürlich… und die anderen waren alle rund gelutscht wie Loui. Auf dem Edelstahl-Lenker kam’s mir vor als hätte ich einen Kugelschreiber eingespannt. Es dauerte ewig. Egal, irgendwann waren die Löcher dann drin – hoffentlich auch an den richtigen Stellen… Das wird sich erst zeigen, wenn die Elektrik in der Mache ist.


Eines steht jedenfalls fest und zeigt sich immer wieder – ohne Know How und gutes Werkzeug bist du verloren und das Projekt läuft Gefahr dich zu frusten. Heute war’s mal wieder so weit. Man durchläuft dann gefühlsmäßig ein paar ganz spezifische Phasen… Janni und ich haben das mit den Phasen einer Trennung verglichen…

Phase I:
Nicht wahrhaben wollen, Schock ist angesagt! Innere Leere und Resignation machen sich breit. Bezüglich der Zielerreichung kommt ein LMAA-Gefühl auf.

Phase II:
Aufbrechende Gefühle: Hass! „So eine Kacke!“

Phase III:
Neuorientierung! Einsicht, dass es sich einfach nicht ändern lässt… Oli Kahn spricht zu Dir: „Es muss weiter geh’n!“

Phase IV:
Alternatives Umsetzungskonzept lässt neue Hoffnung aufkeimen. Die Devise heißt: Mach’ es! Attacke! Nur wer aufgibt hat schon verloren!

Mittwoch, 17. März 2010

Manchmal hilft's, wenn man den Kopf in Bier einweicht...

Bier ist der überzeugendste Beweis dafür,
dass Gott den Menschen liebt
und ihn glücklich sehen will.
Benjamin Franklin, 1706-1790



Oder was wollen uns diese Kronkorken sonst noch „sagen“…? Vielleicht ein bisschen Statistik: Wie viel Biker kommen auf einen echten Rocker...?

Dienstag, 16. März 2010

Rolling Chassis

Nach Rahmen, Schwinge, Reifen und Gabel steht dem Rolling Chassis ja nix mehr im Weg! Mal eben schnell zusammenstecken und fertig is’ der Lack… Von wegen... Wieder schwer verschätzt. Der Grund: die Pulverung. Wie ich in dem Zusammenhang schon erklärt habe fliegt die Pulverung nahezu überall hin. Somit ist man gut beraten sämtliche Gewinde und Durchführungen sehr gut zu verschließen. Bei den Gewinden ist das auch geschehen, nur bei den „Durchführungen“ habe ich irgendwie gepennt und beim Rahmenbauer nix gesagt. Konnte mir gar nicht vorstellen, dass die Schicht ein Problem werden könnte. Aber mittlerweile wissen wir ja, dass man auch in Milwaukee ganz genau arbeiten kann… Die absolut neuralgischen Punkte sind das Innere der Hinterrad-Schwinge - sprich die Öffnung, wo die Kettenspanner reingeschoben werden – sowie die Durchführungen am Rahmen für die oberen beiden Haltebolzen der hinteren Stoßdämpfer. Keine Ahnung, ich glaube ich habe hier an jedem Punkt gefühlte 2 Stunden geschliffen und gefeilt, bis die Pulverung wieder runter war. Beim Innenvierkant-Profil der Schwinge gab’s eh keine andere Chance als Schleifen und für die Bolzenlöcher war spontan weder eine passende Reibahle noch ein entsprechender zölliger Bohrer aufzutreiben. Also war auch hier Handmade angesagt. Aber für Elli werden ja weder Aufwand noch Mühen gescheut!
- Schwinge -
- Bolzen alt -
- Bolzen neu -

Auch nach erfolgreicher Schleifer-Arie war jedoch noch nix mit fertigem Chassis, denn ich hatte mir noch einen anderen schönen Schnitzer geleistet… Um die Schwinge wieder an den Rahmen zu bekommen braucht’s ja nicht nur den Schwingenbolzen – der war null Problem – sondern noch zwei Stoßdämpfer. Und die sahen eigentlich ganz gut aus. Eigentlich war ich fest davon ausgegangen, dass die beiden Freunde auch wieder eingebaut werden – nach geringfügiger Pflege und Wartung...
Oben und unten hat der Stoßdämpfer zwei Augen. In diesen steckt jeweils ein in Gummi gelagertes Röhrchen. Angesichts der zahlreichen Zubehörkataloge, die mit ihren jeweils ca. 30.000 Artikeln wirklich jedes noch so kleine Futzel-Teil ersetzen können ist mir gar nicht in den Sinn gekommen, dass es mit diesen Gummi-Dämpfern Probleme geben könnte… Von daher: Gummis gesichtet, als alt und bröckelig befunden und - zack - rausgekloppt. Am nächsten Tag wollte ich in Lauenau dann meine Bestellung platzieren, als mir Hartmut erklärte, dass das mit den Gummis ja nicht so ’ne gute Idee war, denn die wären ja schließlich ein-vulkanisiert. Selbst wenn’s Ersatz gäbe, bekommt man sie nicht wieder rein. Na alles klar. Wie war das noch mit der Erfahrung… mit vorher und nachher…



Damit waren die alten Dämpfer für die Tonne und anstatt des vermeintlichen Cent-Artikels stand nun das nächste Investment ins Haus. Ich habe mir dann einfach ins Gewissen geredet, dass es sich hier ja eh ums Thema Fahrwerk dreht und so gesehen Ellis neue Hinterbeinchen ja auch für mehr Sicherheit sorgen würden. Als Ersatz für die alten OEM-Dämpfer ist’s dann doch das teurere Modell von Progressive geworden. Janett aus Lauenau hat mir dann doch die erst geplanten Taiwan-Kopien ausgeredet. Geht ja auch nicht! Taiwan! An der Elli! Nix hier – Made in U.S.A ist angesagt! Passt und sieht gut aus.
- ohne -
- mit -

Ja ja – könnt’ alles so einfach sein… isses aber nich… ;-)

Ich wollte das Rolling Chassis eigentlich draußen und etwas fotogener ablichten, aber das Wetter lässt einen ja nicht. HASS! Egal - irgendwann muss es ja wieder besser werden und dann gibt’s auch ein paar schönere Bilder! Janni hat die Hilde schon deutlich besser in Szene gesetzt. Dafür steht sie jetzt im Keller und wir vor der Herausforderung sie wieder ans Tageslicht zu befördern… Leergewicht 350 kg... Ick freu mir!

- für den Anfang... -





Samstag, 6. März 2010

Harleys brauchen Köpfe!

Es war das Jahr 1992, als DER Action-Meilenstein ins Kino kam. Terminator 2! Alles, was es bis dahin im Action-Genre gab sah dagegen aus wie Love Boat. Ich werde nie vergessen, wie wir mit offenem Mund in den Stühlen saßen und die Anfangsszene genossen. Arnie turnt nackt in die Rockerkneipe und besorgt sich sein Outfit: „Gib mir deine Kleidung, deine Schuhe und dein Motorrad!“ Im Hintergrund läuft „Bad to the Bone“ von George Thorogood und Arnie schwingt sich auf eine schwarze Fatboy und ballert davon. Großes Kino für große Jungs und der Grundstein einer Leidenschaft: Harley Davidson. Als nun Janni 17 Jahre später (oh mein Gott…) die magischen Worte wieder aussprach und mich fragte ob ’ne Harley nicht viel besser sei als ein Uralt-Daimler, war die Begeisterung schlagartig wieder da und schrie nach Umsetzung! Endlich war da jemand, der genau so bekloppt ist. Alleine schrauben macht ja schließlich nur halb so viel Spaß!
Dem unglaublichen Drang mit kaltem Eisen aus Milwaukee zu schmusen folgte jedoch umgehend die alles entscheidende Frage: welche Harley soll es denn sein? Keine Ahnung! Die unzähligen Bilder im Netz, in Motorradbörsen und Zeitungen helfen einem bei der Entscheidungsfindung zwar weiter, sie verwirren einen aber auch extrem, denn jede Harley ist irgendwie anders und doch irgendwie schön – die meisten zumindest… Die T2-Fatboy war zwar auf jeden Fall die Initialzündung, fiel dann aber doch sehr schnell durchs Raster. Zu neu, zu glatt, keine Speichenfelgen. Am Anfang stand ja schließlich der Wunsch nach einem „Olddaimler“ - somit war klar, das Schätzelein muss älteren Semesters sein.

Nach etwas Recherche fällt auf, dass es zwei grobe Lager in der Harley-Gemeinde gibt. Die "Pre Evo´s" und die "Post Evo´s". Im Grunde kann man hier die Grenze zwischen Altgeraffel und neumodischem Kram ziehen. Naja, und dann gibt’s da auch noch die HOG´s. … HOG wird jeder, der beim Harley-Dealer ein neues Bike ersteht. Zu den Mitgliedern der sogenannten „Harley Owner Group“ zählen somit auch all die Herren, die sich mit Fälligwerden ihrer Lebensversicherung eine neue Harley vor die Tür stellen und in dem Zuge auch gleich sämtliche HD-Accessoires umhängen - insbesondere die, auf denen in 60 mal 60 cm das Harley Logo prangt. Der Wunsch: einmal Easy Rider, einmal Outlaw, einmal Rocker sein - und damit’s auch jeder sieht, ganz dick draufschreiben.

1984 kam der Evolution-Motor auf den Markt. Der „Evo“ war das erste Leichtmetall-Aggregat aus dem Hause Harley, welches sogar auf Porsche-KnowHow zurück greifen konnte. Ihm wurde als erstem Harley-Motor entsprechende Zuverlässigkeit attestiert. Bei der bisherigen Harley-Gemeinde fiel er jedoch in Ungnade und wurde nicht selten als „Block Head“ verspottet. Der Nickname ist wie bei seinen Vorgängern auch auf die Optik der Rockerboxen bzw. Ventilkammer-Deckel zurück zu führen. Jedoch heißt dies übersetzt bekanntermaßen ja auch „Dummkopf“…

Die „Pre-Evo’s“ schmunzeln somit regelmäßig beim Anblick der Pseudo-Rocker aus der HOG-Gemeinde. Diese belächeln jedoch im Gegenzug die mangelnde Zuverlässigkeit und die häufige Absenz sämtlicher technischer Errungenschaften der alten Möhren der Anderen. In die Gruppe der „Pre-Evo’s“ gehören die Flat-, Knuckle-, Pan- und Shovelheads. Mit jeder Motorengeneration haben die Ventilkammerdeckel auf den Zylinderköpfen ihren Look verändert, was ihnen ihren jeweiligen Spitznamen einbrachte.


Somit haben beide Gemeinden ihre Gründe um über den jeweils anderen zu schmunzeln. Im Endeffekt darf man’s einfach nicht zu ernst nehmen. Schließlich fahren alle Harley!

Wie auch immer, am Ende stand für uns jedenfalls fest – eine Shovel muss es sein. Alles davor ist nur was für „echte“ Schrauber oder Menschen ohne Angst vor Geldgräbern und alles danach verfehlt einfach den Wunsch nach etwas, was „old-fashioned“ daher kommt. Am Liebsten hätte ich noch das gleiche Baujahr wie mich selbst gehabt, aber das habe ich dann doch um ein Jahr verfehlt. Wäre auch zuviel des Guten gewesen. Wichtig war nur: aus den 70’ern muss sie sein, gern mit dem Look der Swinging Sixties ;-) Bitte keine Maschine aus den 80ern…

Wenn ich so über die einzelnen Motorentypen nachdenke kommt mir das Bild mit der Evolution vom Affen zum Menschen in den Sinn. Irgendwie ist das ja auch eine echte Evolution, die hier statt gefunden hat und eigentlich erklärt’s das Bild wirklich ganz gut. Der Shovel ist dabei im Mittelfeld - nicht total von gestern und schon ziemlich aufrecht, aber eben noch nicht ganz…

Wer das Thema Motoren-Evolution noch etwas vertiefen will schaut hier und hier. Unglaublich gut gemachte Computerbilder rund ums Thema alte Harleys finden sich in der Bikes Section auf Industrial & Art 3d Work.