The Reincarnation of a 73' Shovelhead Harley

Donnerstag, 21. Januar 2010

Judgement Day - Tag der Abrechnung…

Zugegeben - unsere Ausfahrt im August letzten Jahres ist schon ein Weilchen her! Ihr denkt sicher: dat war’s schon wieder mit den großen Schrauber-Plänen… Aber weit gefehlt! Irgendwann ist es immer so weit – und er ist da: Der Judgement Day - der Tag der Abrechnung. Es war der 07. November 2009 und es gab kein Zurück mehr. Janni machte mächtig Druck… und so ging’s der Elli an diesem Tag tatsächlich an die Wäsche. Ich für meinen Teil hatte ihre "Partitionierung" natürlich im Kopf schon Generalstabs-mäßig durchorganisiert. Mir schwebte da so was vor wie: Buch aufschlagen, entsprechendes Teil suchen, ganz in Ruhe lesen, Teil sichten, Teil abbauen, Teil fotografieren, Teil beschriften, Teil in der "Zerlegehistorie" dokumentieren. Fertig. Nächstes Teil. Gleiche Verfahrensweise.

Gut – gerade lasse ich diesen Ablauf noch mal vor meinem geistigen Auge Revue passieren, da hat Janni schon das erste Teil in der Hand, reicht es an mich weiter und macht sich am nächsten zu schaffen. Kennt Ihr die Szene aus Ice Age, wo Scrat an einer Eiswand panisch versucht immer neue Wasserlöcher mit seinen Gliedmaßen zu stopfen… Genau diese Vision kam mir, als ich plötzlich das Dashboard, eine Tankhälfte, den Sattel, ne Batterie und die Schrauben dazu gleichzeitig in der Hand hielt.
Jetzt muss man wissen, der Janni, der war in Zeiten vor unserer „Akademiker-Laufbahn“ mal Maurer. Ja – und zu meinen Tischler-Zeiten sagte man immer: Der Zimmermann arbeitet in Millimetern, der Elektriker in Metern, der Maurer muss nur auf dem Grundstück bleiben… Keine Ahnung, vielleicht erklärt das die „pragmatische“ Vorgehensweise. ;-)
Aber egal, jetzt hieß es den Überblick behalten und im Ablegen und Beschriften einfach schneller sein als er beim Zerlegen. Zudem ist man nach kurzer Zeit ohnehin bei Teilen angekommen, die man besser gemeinsam abbaut. Einer hält, einer schraubt.

Die Grundvoraussetzung für’s Zerlegen ist ein ordentlicher Motorrad-Heber, der das Bike zumindest in 40-50 cm Höhe anheben kann und vor allem nicht unter dem brachialen Gewicht zusammensackt – immerhin bringt die Elli schlanke 345 Kilo auf die Waage.


Ebenfalls sehr empfehlenswert ist ein Elektro-Schlagschrauber, der die ein oder andere heftige Schraube hilfreich lösen kann. Ganz besonders an den beiden Wellen im Primärkasten macht er sich bezahlt. Denn die Wellen drehen sich weiter, was das Abdrehen der Muttern mit normalen Schlüsseln fast unmöglich macht. Unser Modell war billidschka vom Baumarkt und hat trotzdem einen guten Job gemacht.


Tja - und wenn man erstmal drin ist, dann läuft's auch quasi wie von selbst… Teil für Teil verschwindet im Regal und das Bike lichtet sich zusehends.



Die wahrscheinlich größte Hürde ist die Nabe auf der Getriebehauptwelle hinterm Kupplungskorb... Hier macht es Sinn sich zuvor ein „Clutch Removal Tool“ im Zubehör oder einfach eine entsprechend große Unterlegscheibe zu besorgen, damit man die Kupplungsfedern zwischen Feder- und Kupplungsdruckplatte auf Position halten und das Teil im Ganzen abnehmen kann.


Im Buch steht: „Die Nabe sitzt sehr fest und muss abgezogen werden. Man kann sich einen Abzieher aus einer Eisenplatte, einer langen Schraube und einer Mutter herstellen….“ Wir haben auf „selfmade“ verzichtet und trotz „Super-Special-Kupplungs-Abzieher“ war erstmal nix zu machen. Die Nabe auf dem Konus der Antriebswelle des Getriebes saß wie Ast. Der Abzieher hat sich zwischendurch pulverisiert. Mit roher Gewalt und einer etwa 1 Meter langen Stange als Hebel hat sich der Drecksack dann aber doch noch mit einem lauten Schlag gelöst. Tja – „nach fest kommt eben ab" oder wie man in diesem Falle auch gerne mal konstatiert: "Gewaltig ist des Schlossers Kraft wenn er sich einen Hebel schafft." ;-)

So - da sitz’ ich nun mit diesem Teller bunter Knete... Beim Anblick der losen Teilesammlung in meiner Garage mischen sich in die Hoffnung auf Elli's Wiederbelebung doch ein wenig Bedenken... Woher kommen die nur? Ich entsinne mich daran schon mal mit Janni ein kleine KTM zumindest teil-zerlegt zu haben. Und – ja - wir haben das Bike auch wieder zusammengesetzt. Aber ich entsinne mich auch genau so gut an den Moment, wo er nach Fertigstellung fragte: und wo kommen diese Schrauben hin…? Der neue Eigentümer ist nach meinem Kenntnisstand aber gut vom Hof gekommen.

Falls ich Elli gar nicht mehr zusammenbekomme könnte ich vielleicht auf der großen Nachbarwiese in Anlehnung an die ziemlich coole Harley-Print-Kampagne von Carmichael Lynch ein nettes Stillleben auslegen…


Naja, ich mach mir jetzt einfach ein wenig Mut. Wir sind handwerklich ja zumindest keine Nullen und wie heißt es in der kurzen Geschichte des Handwerks: „Rad erfunden, Pyramiden gebaut, Mars erkundet, Abfluss repariert.“ Da werden wir’s auch schaffen und ein Motorrad wieder zusammengesetzt bekommen.
Stay tuned!

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